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Kyle Busch
Kyle Busch · Foto: TaurusEmerald · CC BY-SA 4.0 · Quelle

NASCAR Cup Series Kyle Busch

Kyle Busch: der letzte Sieg und die Regel, die seinen Namen trug

· 10 Minuten Lesezeit

Am 15. Mai 2026 stand Kyle Busch in Dover auf der Pole und führte 147 der 200 Runden. Sechs Tage später war er tot, 41 Jahre alt. Es war der 234. Sieg seiner Laufbahn, mehr hat in den drei nationalen Serien der NASCAR niemand geholt, und er fiel ausgerechnet in jener dritten Liga, in der man ihm neun Saisons lang per Regel die Starts begrenzt hatte. Ein halbes Jahr zuvor war diese Regel gefallen.

Am 15. Mai 2026 stand Kyle Busch in Dover auf der Pole, gewann beide Zwischenwertungen des Rennens und führte 147 der 200 Runden. Der Chevrolet mit der Startnummer 7 gehörte Spire Motorsports. Diesem Team hatte Busch zwei Jahre zuvor seinen eigenen Rennstall verkauft, den erfolgreichsten der Seriengeschichte. Zweiter wurde Ty Majeski, Dritter Layne Riggs. Es war Buschs 69. Sieg in der Truck Series, der dritten der drei nationalen NASCAR Serien, und der letzte seines Lebens. Sechs Tage später war er tot, 41 Jahre alt.

Der Sieg war zugleich Nummer 234 seiner Laufbahn, gezählt über alle drei nationalen Serien. Keiner hat mehr. 102 davon fielen in der zweiten Liga, 69 in der dritten, beides Serienrekorde, und nur 63 in der obersten, der Cup Series. Er ist der einzige Fahrer, der an einem einzigen Wochenende in allen drei Serien gewann, im August 2010 und noch einmal im August 2017, beide Male in Bristol. Genau diese Verteilung machte ihn zur Streitfigur: Je nachdem, welche Zahlenreihe man nimmt, ist Kyle Busch der größte Sieger der Geschichte seines Sports oder ein sehr guter Fahrer der obersten Liga unter mehreren.

Zwei Sorten von zweihundert

Der Streit brach an einer runden Zahl aus. Am 17. März 2019 gewann Busch das Rennen der Cup Series auf dem Auto Club Speedway in Fontana und stand damit bei 200 Siegen in den drei nationalen Serien zusammengerechnet. Nach den Berichten von diesem Tag verteilten sie sich auf 53 im Cup, 53 in der Truck Series und 94 in der zweiten Liga, damals Xfinity Series genannt. FOX Sports hatte wenige Wochen zuvor in einem Vorbericht noch 51, 51 und 91 gezählt.

200 ist zugleich die Zahl von Richard Petty, dem Rekordsieger der obersten Liga. Pettys 200 stammen sämtlich aus dieser einen Serie. Ob das derselbe Rekord sei, wurde Busch gefragt, und er wies den Vergleich selbst zurück. Nach Angaben von Beyond the Flag antwortete er: "No. Absolutely not because his number is obviously Cup wins and mine's not." Er jage eher Jeff Gordon mit 93 oder David Pearson mit 105 Siegen in der obersten Liga, sagte er, und über Pettys Marke: "Nobody will ever touch 200." Zugleich verwies er auf andere, die den Punkt machen könnten: Leute, die Petty noch bei Rennen über fünfzig Runden auf Jahrmarktsovalen mit sechzehn Autos im Feld gesehen hätten. Auch das seien Rennen der obersten Liga gewesen.

Petty antwortete zwei Tage später, wiedergegeben von Racing News. Er zählte Buschs Siege in den beiden unteren Serien getrennt, die er 2A und 1A nannte, also zweite und dritte Klasse: "He's won over a hundred races in 2A and 1A. Okay, so he went backwards." Und weiter: "Instead of coming up through that deal, we went back to it. I'm not taking anything away from his driving ability. But, the big deal is that the competition in the other two leagues, it's not there." Der Vorwurf lautete also nicht, Busch könne nicht fahren, sondern er sei in seiner Laufbahn nicht aufgestiegen, sondern abgestiegen. Im selben Atemzug stellte Petty ihn in eine Reihe mit den Größten des Sports: Er sei einer von denen, die man mit allen Großen in einen Wettbewerb stellen könne. Und gegenüber FOX Sports spielte Petty seinen eigenen Rekord herunter: "It's just a bunch of wins."

Damit lagen beide Positionen auf dem Tisch, und keine Statistik konnte sie auflösen. Der Streit ist im Kern einer darüber, was ein Sieg wert ist und gegen wen er errungen sein muss, um zu zählen.

Buschwhacking

Für das, was Busch tat, hatte die Szene längst ein Wort, und es verdankt seinen Namen nicht ihm. Es lautet Buschwhacking, ein Wortspiel mit dem englischen bushwhacking, und es stammt aus der Zeit, als die zweite Liga nach einer Biermarke Busch Series hieß. Gemeint sind Stammfahrer der obersten Liga, die in der zweiten Liga mitfahren und den dortigen Stammfahrern die Siege wegnehmen. Dass ausgerechnet ein Mann namens Busch zum Gesicht dieses Vorwurfs wurde, ist die Pointe der Geschichte.

Die erste Einhegung kam 2011. Nach der Darstellung von Bleacher Report musste seither jeder Fahrer auf seiner Lizenzkarte, der sogenannten hard card, erklären, in welcher der drei Serien er Fahrerpunkte sammelt. Damit war es unmöglich geworden, gleichzeitig um den Titel der obersten und um den einer unteren Serie zu fahren. Der Anlass war unübersehbar: Fünfmal in Folge, von 2006 bis 2010, hatte ein Stammfahrer der obersten Liga den Titel der zweiten geholt, 2009 Busch selbst.

Die Regel, die seinen Namen trug

Der zahlenmäßige Anlass für die nächste Stufe passt in eine Zeile: 2016 gewann Busch neun der sechzehn Rennen der Xfinity Series, die er startete. Joey Logano fuhr in derselben Saison dreizehn dieser Rennen. Am 26. Oktober 2016 verkündete NASCAR für die folgende Saison eine Höchstzahl an Starts. Fahrer mit mehr als fünf Jahren Vollzeiterfahrung in der obersten Liga durften nur noch zehn Rennen der Xfinity Series und sieben der Truck Series bestreiten, die Titelentscheidungen in Homestead ausgenommen. Die Szene taufte das sofort die Kyle Busch Regel.

Busch selbst sagte dazu nach dem Bericht von NBC Sports: "I guess I should be flattered." Er nannte die Sache Kyle Busch 2.0, denn schon einmal hatte ihn eine Regel aus einer Serie geworfen: 2001, als er mit sechzehn Jahren in der Truck Series fuhr und dort ein neues Mindestalter eingeführt wurde.

Danach wurde die Schraube zweimal weiter angezogen. Die Zeitleiste, wie sie Beyond the Flag zusammenstellt, lautet: 2017 zehn und sieben Starts, 2018 und 2019 sieben und fünf, von 2020 bis 2025 fünf und fünf. Die Verschärfung zur Saison 2020 senkte zugleich die Schwelle von fünf auf drei Jahre Vollzeit in der obersten Liga und sperrte das letzte Rennen der Hauptrunde sowie sämtliche Rennen der Ausscheidungsrunde, in der NASCAR seine Titel am Saisonende vergibt. Begründet wurde das nicht mit einem einzelnen Fahrer, sondern mit den Teams.

Wer wollte, konnte die Regel also als Schutzmaßnahme für die unteren Serien lesen. Wer wollte, konnte sie als Maßnahme gegen einen einzelnen Mann lesen. Ihren Namen behielt sie in der Szene über neun Saisons.

Die Umkehr von 2025

Ende Oktober 2025 drehte NASCAR in Avondale in Arizona die Richtung um. Ab 2026 dürfen Fahrer mit drei und mehr Jahren Erfahrung in der obersten Liga wieder zehn Rennen der NASCAR O'Reilly Auto Parts Series, wie die zweite Liga inzwischen heißt, und acht Rennen der Truck Series bestreiten. Die Sperre für das Finale der Hauptrunde und für die Ausscheidungsrennen bleibt. Es war die erste Änderung dieser Zulassungsregeln seit 2020.

Der nüchterne Befund dahinter steht bei Motorsport.com: 2025 gewannen Stammfahrer der obersten Liga nur noch fünf Rennen der zweiten und drei der dritten Serie, und einzig Ross Chastain schöpfte sein Kontingent von fünf Starts in beiden Serien überhaupt aus. Die Regel bekämpfte am Ende ein Problem, das es so nicht mehr gab.

Die Szene liest die Lockerung anders. Beyond the Flag schrieb dazu, es sei klar, dass die Grenzen in erster Linie, wenn nicht ausschließlich, wegen Busch bestanden hätten, und sie fielen erst, seit er kein eigenes Team in der Truck Series mehr besitze und in der zweiten Liga praktisch nicht mehr starte. Auch das lässt sich nicht beweisen. Es fällt nur auf.

Unter den Zuschauern lief die Debatte bis zuletzt in beide Richtungen. The SportsRush hielt beide Lager fest, einmal für die Regel mit dem Satz "Buschwhacking doesn't produce talent, it scares it away", und einmal dagegen mit der Frage, wie junge Fahrer denn lernen sollten und wen sie um Rat fragen könnten, wenn man ihnen die erfahrenen Leute aus den unteren Serien nehme.

Die Rekorde hinter dem Streit

Die Zahlen, die den Streit erst erzeugten, sind die der beiden unteren Serien. In der zweiten Liga stehen 102 Siege aus 367 Starts und der Titel von 2009. Mark Martin löste er dort im August 2011 mit seinem fünfzigsten Sieg in Bristol als Rekordhalter ab. Am 19. Juni 2021 in Nashville wurde er nach Richard Petty und David Pearson der dritte Fahrer überhaupt mit hundert Siegen in einer nationalen NASCAR Serie und der erste in der zweiten Liga. Sein Vorsprung betrug in diesem Moment 51 Siege auf den zweitplatzierten Mark Martin, der bei 49 stand. Der 102. und letzte Sieg dort fiel im Juli 2021 in Atlanta. Einen Sieg verlor er wieder: Das Rennen My Bariatric Solutions 300 in Texas gewann er 2020 zunächst, wurde nach der Nachuntersuchung des Autos aber disqualifiziert.

In der Truck Series stehen 69 Siege aus 184 Starts, ebenfalls Serienrekord. Sein Debüt gab er 2001 mit sechzehn Jahren im Indianapolis Raceway Park für Roush Racing und wurde Neunter; im Februar 2003 wurde er dort entlassen. Der erste Sieg kam am 20. Mai 2005 in Charlotte, womit er der damals jüngste Sieger der Seriengeschichte war. Den Rekord von Ron Hornaday junior, der bei 51 Siegen stand, brach er im Februar 2019 in Atlanta mit seinem 52.

In derselben Serie war er zugleich Unternehmer. Kyle Busch Motorsports gewann von 2010 bis 2023 genau hundert Rennen, 48 davon mit ihm selbst am Steuer, darunter den hundertsten im Juli 2023 in Pocono. Danach verkaufte er den Rennstall an Spire Motorsports und fuhr dort nur noch ein Teilzeitprogramm. Er war in der Serie, in der man ihm die Starts begrenzte, also gleichzeitig Konkurrent, Arbeitgeber und Ausbilder junger Fahrer. Das entkräftet den Vorwurf, er habe den Jungen nur die Siege weggenommen, und verkompliziert ihn zugleich.

In der obersten Liga steht er mit 63 Siegen auf Rang zehn der Allzeitliste. Dort hält er den Rekord der meisten aufeinanderfolgenden Saisons mit mindestens einem Sieg, nämlich neunzehn von 2005 bis 2023. 2005 wurde er in Fontana mit zwanzig Jahren, vier Monaten und zwei Tagen jüngster Sieger dieser Serie; Joey Logano nahm ihm den Rekord 2009 ab. 2008 fuhr Busch den ersten Sieg für Toyota heraus, den ersten eines nicht amerikanischen Herstellers seit 54 Jahren.

Sechs Tage

Seine letzten Jahre waren die schwächsten. Nach dem Wechsel von Joe Gibbs Racing zu Richard Childress Racing gewann er 2023 dreimal, danach riss die Serie von neunzehn Jahren. Im Februar 2025, im dritten Jahr bei Richard Childress Racing, stand er bei 57 Rennen ohne Sieg. "You've got to win, right?", sagte er damals gegenüber FOX Sports, und über die Enge des Feldes: "With all the cars being more equal, you're fighting for hundreds or thousandths of inches." Das Daytona 500 gewann er in neunzehn Anläufen nie.

Sein letztes Punkterennen in der obersten Liga fuhr er am 10. Mai 2026 in Watkins Glen. Danach forderte er wegen einer Erkältung und Beschwerden an den Nebenhöhlen medizinische Hilfe an. Es folgten nur noch der Sieg in Dover am 15. Mai und, zwei Tage danach, am selben Ort ein Ausstellungslauf ohne Punkte. Am Mittwoch darauf brach er in einer Trainingseinrichtung von General Motors in North Carolina zusammen; der Notruf gegen 17:30 Uhr nannte Atemnot, Überhitzung und Bluthusten. Am 21. Mai 2026 starb er in Charlotte an einer schweren Lungenentzündung, die in eine Sepsis überging. Die Familie sprach nach dem Bericht von NBC News von "rapid and overwhelming associated complications".

Kyle Busch wurde am 2. Mai 1985 in Las Vegas geboren, war der jüngere Bruder von Kurt Busch und trug deshalb den Spitznamen Shrub. Er hinterließ seine Frau Samantha, mit der er seit 2010 verheiratet war, und die Kinder Brexton und Lennix. Rick Hendrick, bei dem er ab 2004 in der obersten Liga fuhr, nannte ihn einen der talentiertesten Fahrer, die er je gesehen habe. Denny Hamlin: "We lost our Kobe Bryant. Today we mourn. Forever we remember." Richard Childress Racing nahm die Startnummer 8 aus dem Verkehr und hält sie für Buschs Sohn Brexton frei.

Bleibt der Schluss, den niemand geplant hat. Der Fahrer, dessen Starts in den unteren Serien man neun Saisons lang per Regel begrenzte, verabschiedete sich mit einem Sieg in genau diesen unteren Serien, ein halbes Jahr nachdem die Begrenzung gefallen war, im Auto des Teams, das seines gekauft hatte. Die Frage, ob seine 234 Siege dasselbe sind wie Richard Pettys 200, ist damit nicht beantwortet. Sie wirkt nur kleiner.

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